Ich bin zyklisch_rawandnaked

ICH BIN ZYKLISCH, AND I LOVE IT!

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ICH BIN
NICHT ZICKIG!

Wer sich schon mal mit den Zyklusphasen auseinandergesetzt und beobachtet hat, was der innere Herbst - also die prämenstruelle Phase, die Zeit nach dem Eisprung und vor der Periode - in einem auslöst, wird diese Zeit erstmal höchstwahrscheinlich nicht als die tollste Phase im Zyklus wahrnehmen. Für viele Menschen, die den weiblichen Zyklus durchlaufen, ist das sogar die Zeit, die sie am liebsten aus Ihrem Zyklus streichen würden - sogar noch lieber als die Zeit der Blutung. Das ist auch durchaus verständlich, denn die Liste der möglichen Beschwerden ist lang:

Wasseransammlungen im Gewebe, Hautveränderungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfungssymptome, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden, Durchfall, Krämpfe im Unterbauch, Kopf- und Rückenschmerzen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, schmerzhafte Spannungen, Schwellungen oder extreme Empfindlichkeit der Brüste, erhöhte Sensibilität auf Reize (Licht, Berührung, Lärm, Geruch, Zeit- und Arbeitsdruck), Migräne, Ohnmacht, Völlegefühl, Schmerzen im Bereich der Geschlechtsorgane und im kleinen Becken beim Geschlechtsverkehr, Schleimhautreizungen, Aktivierung von latenten Entzündungsherden im Körper, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Hyperaktivität, Ruhelosigkeit, depressive oder manische Stimmungen, Angstzustände, Reizbarkeit, Aggressivität, grundloses Weinen oder Lachen, vermindertes Selbstwertgefühl, Gefühl von Überforderung und Kontrollverlust, Veränderungen des Appetits

Das alles hat allein Wikipedia gesammelt. Und das sind noch nicht alle Symptome, die während dieser Zeit möglich sind. Manche Frauen haben keine oder nur ein, zwei Beschwerden, andere sind entweder von sehr vielen oder sehr stark ausgeprägten Symptomen betroffen. Jeder Mensch ist einzigartig und die Form und Stärke der einzelnen Probleme oder Schmerzen kann sehr individuell sein. Somit ist es leider schwierig, allgemeingültig zu sagen, was dagegen hilft, was noch gesund/normal ist oder was schon krankhaft sein kann. In jedem Fall ist eine Abklärung bei deiner Ärztin/ deinem Arzt empfehlenswert, wenn du Schmerzen oder Sorgen hast. Du solltest dir aber bewusst sein, dass von schulmedizinischen Ärzten Schmerzen und Beschwerden oft als „das gehört halt dazu“ gesehen werden. Aber eine Untersuchung ist trotzdem sehr sinnvoll, um Krankheiten ausschließen zu können. Wenn du Beschwerden hast, von deinem Arzt aber die Info bekommst, dass medizinisch alles passt und du halt damit leben musst, brauchst du trotzdem nicht zu verzweifeln. Denn genau hier hilft uns unser Zyklus, wenn wir bereit sind, uns von dem wirtschaftsorientierten Leistungsdenken zu lösen und uns auf unser weibliches zyklisches Dasein einzulassen.

Hormonachterbahn

Nach dem Eisprung, an dem meist alles bestens ist und wir voller Energie und Lebensfreude strahlen, kommt die prämenstruelle Phase und unsere Hormone stellen sich auf den inneren Herbst um. Bei mir kam das früher gefühlt aus dem Nichts heraus, und ich merkte es an Situationen wie folgende: An einem Tag bin ich noch mit meinen Mädls unterwegs oder feiern, alles macht Spaß und ich liebe es, mit allen möglichen Leuten zu quatschen. Ich fühle mich super, sexy und ich weiß, ich kann grad alles schaffen, was ich will. Und ich bin auch viel schneller dazu bereit, jemanden einen Gefallen zu tun.

 

Und dann ein, zwei Tage später wach ich auf und ich merk schon, es fühlt sich alles irgendwie schwerer an und meine Gedanken regen mich auf - schon bevor ich richtig munter bin. Ich will noch gar nicht aufstehen, am liebsten nochmal rüber drehen, und alles dunkel machen oder alles absagen, was ich für heute ausgemacht habe. Und überhaupt und sowieso. Und wenn dann gleich in der Früh noch jemand kommt und etwas von mir will - dann ist der Start in den Morgen perfekt. Ich merke gleich, wie mein Kopf anspringt: „Nein, ich will grad gar nix für irgendwen machen, ich komm ja grad noch nicht mal mit mir klar. Obwohl, eigentlich ist es ja gar nicht so viel, worum ich grad gebeten wurde. Das kann ja nicht so schwer sein, das kurz zu erledigen. Gestern hab ich ja auch so viel geschafft, dann muss das ja heute auch gehen. Fuck, allein schon darüber nachzudenken, regt mich auf. Können mich nicht einfach alle in Ruhe lassen ...“ Und das Gedankenkarussell dreht sich ... Klar, mein erster Impuls früher war, allen einfach zu sagen, dass ich meine Ruhe möchte und allein sein will. Gedacht, getan.

 

Ob das dann die Lösung war? Nix da, kaum bin ich allein, geht’s wieder los: „Hmm, na ja, so allein ist ja auch nicht so fein. Ich hätte ja schon gerne jemanden bei mir. Aber zu laut und zu aktiv sollen die anderen nicht sein. Vielleicht will ich einfach wem zum Kuscheln ...“ Um auf den Punkt zu kommen, egal wie ich es drehe und wende, ich kann es mir nicht recht machen und die Anderen können das schon gar nicht.  

Den Blickwinkel wechseln

Weil ich zwar immer wieder bemerkt habe, dass sich Launen und Phasen bei mir wiederholen, aber nicht die geringste Ahnung hatte, woher die kamen, hab ich angefangen mitzuschreiben. Am Anfang dachte ich, es hängt vielleicht mit dem Mond, der Ernährung oder meinen Arbeitszeiten zusammen. Ich hab Jahre gebraucht um zu merken, dass es mein Zyklus ist, der mich nicht jeden Tag gleich ticken lässt.

Seit etwas über 2 Jahren beobachte und notiere ich meinen Zyklus bereits, und ich durfte und darf immer wieder, so viel über mich verstehen lernen. Und das versuche ich dir hier zusammenzufassen, weil ich selber so dankbar für jede Info war, die ich auf meinem Weg erfahren durfte. Und weil ich glaube, dass es jeder einzelne Mensch verdient hat, sich kennen, verstehen und lieben zu lernen! Es wurde vor allem uns Frauen lange genug schwer gemacht, an Infos zu kommen. Und ich muss gestehen, es ist auch gerade eine kleine Herausforderung für mich, weil jeder Zyklus so unterschiedlich und einzigartig ist, nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch von Monat zu Monat.

In unserer letzten Ausgabe habe ich bereits einen Artikel über die 4 Jahreszeiten des weiblichen Zyklus geschrieben. Zu dem Zeitpunkt war ich mitten im Selbstexperiment Pille und es fiel mir so schwer, mich in die verschiedenen Phasen hineinzufühlen, weil die Pille meinen ganzen Hormonhaushalt durcheinanderbrachte. Eins meiner Learnings: Ich verstehe jetzt viel besser, warum mir manche Frauen, die seit der Pubertät die Pille nehmen, sagen, sie können die inneren Jahreszeiten oder die verschiedenen Phasen gar nicht glauben und nachvollziehen, die sind ja Quatsch. Irgendwie klar, denn die hab ich mit einer konstant gleichbleibenden Zufuhr an Östrogen auch nicht gemerkt.

 

Wie du jetzt wahrscheinlich ahnen wirst, hab ich das Experiment abgebrochen. Und spüre mich, meine Hormone und meine Zyklusphasen besser denn je. Dieser Artikel, den du hier gerade liest, ist ein Projekt, das mich durch den aktuellen Herbst begleitet. Ein Artikel, den ich über mehrere Tage schreibe, um die Energie, meine Gedanken und meine Erfahrungen ungefiltert und so wie sie gerade sind, festzuhalten. Ich nimm dich sozusagen mit auf eine kurze Reise, wie ich die Geschenke und Qualitäten des Herbstes erleben und lieben lernen durfte und immer wieder aufs Neue darf.

 

Voller Fokus auf den Herbst. Das ist meine aktuelle Absicht. Ich will diese Phase voll mitnehmen, voll spüren, voll erkunden und voll eintauchen. Und nein, das war nicht immer so. Auf den Herbst hätte ich auch verzichten können, sogar noch vor einem Monat, als ich fluchend, jammernd, lachend und heulend versucht habe, meine Hormone nach der Pille wieder in den Griff zu bekommen. Und ich kann mich sooo genau erinnern, wie ich in einer Sprachnachricht zu Stephanie sagte: „Weißt du, ich glaub, der Herbst hat so ein Potenzial, so eine Power, der will mir was zeigen. Jetzt bekomm ich aber bald meine Tage und ich hab die Schnauze schon so voll. Ich schau mir das dann nächsten Zyklus genauer an.“ Ja genau, denkste! Nö, das Leben, mein Zyklus, vielleicht sogar ich oder das Universum - keine Ahnung, wer oder was genau, dachte sich aber: „Haha, hättest du gerne! Nix da! Mit deiner Blutung warten wir jetzt erstmal noch ein paar Tage und du schaust dir genau an, was da los ist!“

 

Naja, wie kann man da schon nein sagen? Also, HERE I AM, in der Absicht euch nun auch an den schönen, ruhigen, wundervollen und viel zu unterschätzten oder verloren gegangenen Seiten dieser Zeit, dieser Phase, teilhaben zu lassen. HERE I AM, mit einer Einladung tiefer zu blicken, mutig zu fühlen und einzutauchen, in das Wunder Zyklus – in deinen Wunderzyklus.

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No Bullshit Phase

Das beschreibt für mich den inneren Herbst sehr treffend. Ich merke, wie ich weniger Geduld und weniger Nerven habe. Und somit auch viel weniger Interesse, es jemanden recht zu machen. Erst als ich aufgehört habe, es recht machen zu wollen oder leisten zu wollen, durfte ich erkennen, dass jedes NEIN zu jemanden anderen ein JA zu mir ist. Du musst nicht immer helfen, immer freundlich sein, es immer allen recht machen. Du musst gar nichts und darfst klar und bestimmt NEIN sagen, und machen was DIR guttut. Vor allem in der Zeit vor der Periode, in der der Rückzug beginnt, haben wir einen leichteren Zugang zu uns, einen tieferen Zugang. Hier haben wir keinen Bock auf lang drum herumreden. Und wenn wir genau hinhören, merken wir ganz genau, was wir wollen und was nicht.

Abschließen & Loslassen

Der innere Herbst ist die letzte Zyklusphase, bevor mit dem ersten Tag der Blutung ein neuer Zyklus startet. Es ist somit die Phase um Dinge zu Ende zu bringen, loszulassen, sich von altem Ballast zu befreien. Und damit meine ich nicht, alle To-do-Listen noch abzuarbeiten oder alle Aufgaben, die du lange schon machen wolltest, anzugehen. Ich durfte diesen Herbst so schön lernen, dass loslassen und abschließen keine Handlung, kein aktives Tun ist, sondern vielmehr ein Geschehen lassen. Sich von Dingen und Mustern zu befreien, die nicht mehr dienlich sind. Sich von Masken zu befreien und echt zu sein. Es ist die Zeit aufzuhören, an etwas festzuhalten, was uns nicht guttut. Deshalb kann der Herbst auch so herausfordernd sein, weil er uns zeigt, wo wir noch loslassen dürfen oder wobei wir uns nicht gut fühlen. Und genau da liegt ein riesiges Geschenk vergraben, denn es bietet uns die Möglichkeit, uns freizumachen, ehrlich zu sein. Ich habe bemerkt, dass ich mir selber in dieser Zeit, viel zu viel Druck gemach habe. Ich hab ihn losgelassen. Ich hab mir erlaubt, weich zu sein. Und zum ersten Mal haben meine Brüste nicht angefangen zu ziehen und schmerzen, was sie sonst immer ein paar Tage vor der Periode tun. Es war, als wäre der Druck einfach weg.

Ruhe & Tiefe

Sind wir bereit, damit aufzuhören, es anderen recht zu machen und loszulassen, was nicht zu uns gehört, können wir uns selber erst richtig kennenlernen. Mit jeder Maske, die fällt, lernen wir uns besser kennen und verstehen. Wir lernen uns in der Tiefe kennen. Wir lernen uns in Ruhe kennen. Geerdet, tief verwurzelt und mit einer unglaublichen Power. Und in dieser Verbundenheit in unserer Tiefe, wissen wir genau, wie wir sind, was wir wollen. Wir brauchen nicht zu überlegen, wir spüren es, wir wissen es einfach. Oft fehlt sogar nur ein bisschen Mut, unserem Gefühl zu trauen und die Angst loszulassen. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir es bereits genau. Wir können uns befreien, von allem, was nicht wirklich zu uns gehört. Und WIR SEIN - mit allem was dazu gehört. Zart, weich, stark, laut, leise, hell, dunkel, wild, sanft, ruhig, klar, verletzlich und unverwundbar – alles gehört zu uns.

Liebe & Achtsamkeit

Ein ruhiges, powervolles und freundliches NEIN zu etwas, das du gerade nicht willst, ist eine Liebeserklärung an dich selber. Je tiefer wir uns verstehen lernen, je genauer wir unseren Zyklus fühlen und bereit sind, mit dem Fluss zu fließen, desto mehr spüren wir, was wir jetzt gerade brauchen oder was wir wollen. Auch was wir nicht wollen, können wir viel klarer erkennen. Und es ist alles okay, auch wenn es am nächsten Tag oder im nächsten Zyklus vielleicht wieder ganz anders ist. Wir dürfen lernen, achtsam und aufmerksam zu lauschen, was uns jetzt im Moment fehlt oder was uns stört. Gestern hatte ich einen Moment, an dem ich kurz zu zweifeln begann, ob ich nicht vielleicht mehr schaffen hätte können. Ich stand vorm Spiegel und schaute mir in die Augen und eine Stimme in mir sagte: „Lieben Dank, meine Sorgen. Nett gemeint von euch. Aber ich bringe es gerade wirklich nicht übers Herz, mich für etwas zu verurteilen oder mich schlecht zu fühlen. Ich habe Großartiges geleistet und bin total in Ordnung so wie ich bin!“ Ja, ich muss zugeben, das ist neu für mich. Normalerweise war meine innere Stimme kritisch, streng oder fies. Aber das nenn ich mal ein schöner Step Richtung mehr Selbstliebe.

Weibliche Stärke

Die Frauen – das schwache Geschlecht? Bullshit! Die Kombination aus Keinen-Bock-auf-Schöngerede, zu wissen, was wir wollen und den Mut zu haben, für uns und das, was uns wichtig ist, einzustehen, verleiht uns eine immense Kraft. Nein, ich meine nicht im Kampf, im Streit oder in der Rebellion. Ich meine die unrüttelbare Kraft in uns, die uns für uns und unseren Weg einstehen lässt. Die Kraft, die uns erlaubt weiterzugehen, auch wenn es aussichtslos scheint. Die Kraft, die uns heilen und lieben lässt, auch wenn alles dunkel ist. Diese Kraft ist in jedem von uns. Und in dieser tiefen Ruhe, die uns der Herbst mitbringt, können wir diese Stärke voll spüren und in uns verankern. Uns in dieser Stärke erden.

Schatten & Magie

Über diesen Punkt können sich die Geister jetzt streiten, aber ich möchte ihn trotzdem anbringen. Es fällt mir immer wieder auf, wie zugänglich und betroffen viele in dieser Phase von kollektiven Geschehnissen oder weltlichen Traumata sind. Mir kommt es vor, als könnte ich mich in meinem inneren Herbst viel tiefer in andere Menschen und Situationen hineinfühlen. Ich bin auch um einiges sensibler und es gibt schneller mal die ein oder andere Träne. Zum Beispiel der Krieg in der Ukraine geht mir so viel näher, als könnte ich die Angst und den Schmerz richtig spüren, ganz anders, als wenn ich gerade in meinem Frühling bin. Mir kommt vor, als wenn wir einen direkteren Draht zu den Wunden dieser Zeit haben, um diese zu fühlen und zu heilen. Diese Schattenseiten zu spüren und die Urkraft des Lebens in uns zu spüren, hat für mich einfach etwas Magisches, etwas Mystisches. Etwas, das mehr ist als wir bis jetzt vielleicht verstehen. Und etwas, das wir für uns heilen können, wenn wir den Mut haben, hinzusehen.

Und jetzt sitz ich hier in meinem Bett. Ich habe heute meine Tage bekommen und bin somit im Winter und im neuen Zyklus angekommen. Ich lese mir gerade nochmal durch, was ich die letzten Tage geschrieben habe. Jetzt ist es an der Zeit den Herbst gehen zu lassen und mich zu erholen, meine Akkus wieder aufzuladen. Und ich weiß jetzt schon, ich habe bestimmt etwas vergessen. Und es ist total okay. Es ist nur ein Bruchteil von dem, was ich aus meinen Herbstphasen lernen durfte. Ich bin mir auch sicher, im nächsten Herbst kommen nochmal neue Facetten. Und vielleicht sind es bei dir auch ganz andere Dinge, die du bemerkst.

Jeder Zyklus und jede Frau sind unterschiedlich und einzigartig.

Jeder Mensch ist einzigartig.

Jeder Moment ist einzigartig.

Du bist einzigartig.

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